Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 016 - 07.12.2016

"Háwar - Meine Reise in den Genozid"

Filmvorführung und Diskussion im Universum Filmtheater Braunschweig

Alles beginnt Ende 2012 am großen Küchentisch der Tekkals in Hannover. Die Familie hat sich versammelt, denn Vater Seyhmus Tekkal und Düzen wollen bald auf eine Reise aufbrechen, um die Wurzeln des yezidischen Glaubens im Irak an den Pilgerstätten der Yeziden zu erkunden. Im August 2014, als Vater und Tochter aufbrechen, landen sie mitten in einem Krieg. Denn obwohl sie ihre Reise in Zeiten des Friedens antreten wollten, hatte sich alles verändert. Am 3. August 2014 fallen IS-Terroristen nachts in der yezidischen Stadt Shingal ein. Ganze Familien werden aus dem Schlaf gerissen und hingerichtet, innerhalb weniger Minuten werden aus Kindern Vollwaisen. Obwohl in Shingal jahrelang Yesiden mit Moslems friedlich Tür an Tür gelebt haben, macht der IS aus Nachbarn plötzlich Verräter. Hunderte Flüchtlinge suchen in den Bergen Schutz, doch sie verdursten und verhungern.

Aus einer ursprünglich geplanten Reise zu den Wurzeln wird für Düzen Tekkal ein Einsatz als Kriegsberichterstatterin. Aus einem Krieg, der aus dem Hilferuf der Yeziden – Háwar – ein Synonym für Vernichtung werden lässt. Daher heißt der Film über den Genozid Háwar.

Einer der ältesten Religionsgemeinschaften der Welt droht die Vernichtung. Eine halbe Million Yeziden sind auf der Flucht vor den IS-Terroristen. Der Islamische Staat macht Jagd auf sie. Für die streng gläubigen Muslimen sind Yeziden Teufelsanbeter, die sie zwangskonvertieren oder töten müssen. Über 5.000 Yeziden sind diesem Kreuzzug auf bestialische Art zum Opfer gefallen – die Dunkelziffer ist noch viel höher. Dieser Krieg trifft auch die Yeziden in Deutschland. Viele von ihnen leben hier, während ihre Angehörigen im Nordirak oder Syrien sterben.

Die Bilder und Propaganda-Videos der Täter kennt die ganze Welt. Dieser Dokumentarfilm zeigt die andere Seite, die noch nicht erzählt wurde: Der Genozid an den Yeziden.

Am 14. Dezember werden die yesidischen Menschenrechtsaktivistinnen Nadia Murad Basee und Lamiya Aji Bashar den Sacharow-Preis für Menschenrechte des Europaparlaments erhalten. Die 23-jährige Nadia Murad Basee Taha wurde im September zur UN-Sonderbotschafterin für die Würde der Opfer von Menschenhandel ernannt. "Ich hatte Glück, denn ich konnte entkommen, was Tausenden anderen nicht gelang", sagte Murad bei der Zeremonie am UN-Sitz in New York. Nadia Murad, im Film "Háwar" nennt sie sich aus Sicherheitsgründen noch Mardlin, ist eine Protagonistin, die von Düzen Tekkal im Irak erstmals interviewt wurde.

Die Journalistin und Filmmacherin Düzen Tekkal wird nach der Filmvorführung zur Diskussion anwesend sein.

Das Universum Filmtheater zeigt den Film in Kooperation mit DGB, GEW, ARBEIT UND LEBEN und anderen. Der Eintritt ist frei.

 

 


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