Deutscher Gewerkschaftsbund

27.07.2015

Wir sind alle divers – Inklusion als Chance für Unternehmen

4. Sozialkonferenz in der Region Braunschweig brachte Diskussion in Gang

Die Podiumsteilnehmerinnen und -teilnehmer saßen in der Mitte der Aula des Hauses der Wissenschaft in Braunschweig und die Besucher hatten jederzeit die Möglichkeit, sich in die Diskussion einzumischen und einen freien Stuhl im Zentrum zu besetzen. Nach den jeweiligen Beiträgen räumten die Gäste wieder ihren Platz und gaben diesen für andere Gäste aus dem Publikum frei. „Das sogenannte Fishbowl ist eine frische Methode, die diese Diskussion sehr bereichert hat“, sagte SPD-Bezirksvorsitzender Hubertus Heil am Schluss der dreistündigen kurzweiligen Konferenz. Begleitet wurde die Konferenz durch ein so genanntes Graphic Recording, das die Diskussionsinhalte während der Veranstaltung in Bildern darstellte und Kernaussagen damit festhielt. So konnten alle Gäste leichter die Materie erfassen.

Die Veranstalter erläuterten bereits in der Begrüßung, dass ganz unterschiedliche Motivationen dazu geführt hatten, das Thema der vierten Sozialkonferenz auszuwählen. „Wir müssen mit Inklusion bei uns anfangen, am Arbeitsplatz“, forderte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des AWO-Bezirksverbandes Braunschweig, Dirk Bitterberg. DGB-Regionsgeschäftsführer Michael Kleber erklärte, dass Inklusion für ihn auch Recht auf Arbeit und Ausbildung bedeute, und Hubertus Heil erläuterte, dass die Demografie für ihn ein Treiber der Inklusion sei. „Es ist eine Chance, Fachkräfte zu finden.“

Paul Arzberger, DGB, Dr. Carola Reimann, stellv. Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Prof. Dr. Michael Komorek, Projektleiter Inklusion als Handlungsmaxime der Organisationsentwicklung beim AWO-Bundesverband und Prof. Ruth Enggruber, Professorin für Sozial- und Berufspädagogik an der Hochschule Düsseldorf sprachen zu den Themen Ausbildung, beruflicher Alltag und kommunale Rahmenbedingungen.

Ruth Enggruber betonte, dass der Blick mehr in Richtung einer Struktur im Bildungssystem und weg vom Individuum gewandt werden müsse. So könne schneller das Ziel einer inklusiven Berufsausbildung erreicht werden. Voraussetzung sei allerdings, dass Betriebe und Gesellschaft alle Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit anerkennen und diese nicht in Kategorien einteilen.

Eine Freiwilligkeit der Wirtschaft, inklusiv auszubilden und ein inklusiver Beschäftigungsbetreib zu sein, führe schneller zu einer Ausbildung für alle, sagten verschiedene Teilnehmer im Fishbowl. Betroffene schilderten ihren Lebensweg, auf dem sie gut ausgebildet wurden. „Warum mache ich mir Gedanken um meine Ausbildung, wenn ich später keine Arbeit finde“, sagte ein Gast während der Gesprächsrunde und ein weiterer ergänzte: „Wir wollen arbeiten, aber man lässt uns nicht!“

Als Resultat der Veranstaltung zeigte sich, dass das Thema „Vielfalt in der Arbeitswelt“ sehr viele Aspekte beinhaltet sowie zahlreiche Perspektiven bietet und es daher nötig ist, dieses Thema in der Region weiter zu befördern. Neben einer Wertschätzung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eines Betriebes müssen praktische Dinge wie die Qualifikation von Ausbilderinnen und Ausbildern, das Aufzeigen von Fördermöglichkeiten und die Schaffung von niederschwelligen Möglichkeiten, sich dem Thema zu nähern, angegangen werden.

Festzuhalten bleibt, dass es bisher zu wenige Betriebe gibt, die inklusiv ausbilden. AWO, DGB und SPD prüfen derzeit, wie sie sich auch künftig des Themas annehmen können, um die verschiedenen Akteure an einen Tisch zu bringen und alle Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu unterstützen.

 

Vortrag Prof. Ruth Enggruber

 

Konferenzergebnisse als graphic recording

 

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